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Anschaffung und Eingewöhnung
Was ist beim Kauf (egal wo) zu beachten?
- Die Ratten sind nach Geschlechtern getrennt untergebracht.
- Der Käfig ist sauber, geräumig und artgerecht ausgestattet.
- Die Ratten erhalten genügend Wasser, Körner- und Frischfutter sowie Nagematerial.
- Mehrere Rückzugsmöglichkeiten sind vorhanden.
- Alle Tiere zeigen sich an Menschen interessiert und wirken weder ängstlich noch schreckhaft.
- Alle Tiere sind gesund, putzmunter und gepflegt.
- Der Besitzer der Tiere nimmt sich Zeit für die Beratung und sucht für die Interessenten passende Tiere aus. Zudem sollte er nach dem Kauf weiterhin beratend zur Seite stehen.
Diese Punkte sollte man auf jeden Fall berücksichtigen, ansonsten ist das Risiko sehr hoch, dass man kranke, verhaltensgestörte oder trächtige Tiere erwirbt. Die Verantwortung über die Tiere beginnt also schon bereits vor dem Kauf.
Woher?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie man in den Besitz von Ratten kommen kann:
- aus dem Zoofachgeschäft
- vom Züchter
- aus dem Tierheim/Tierschutzorganisationen
- aus privater Hand
In den Zoofachgeschäften werden mittlerweile überall Ratten angeboten,
Futtertiere und Liebhabertiere. Grundsätzlich möchte ich mich gegen
einen Kauf aus einem Zoogeschäft aussprechen. Dagegen spricht nur die
hohe Anzahl von Notfalltieren überall, sondern auch dass die
Zoogeschäfte nicht sehr kompetent sind. Die Gefahr ist sehr groß, dass
man kranke Tiere bekommt oder trächtige Weibchen.
Auch gibt es auch immer mehr Rattenzüchter. Wenn man sich unbedingt
Tiere vom Züchter holen will, dann sollte man sich über den Züchter
genau erkunden und sich auch die Unterbringungen der Ratten anschauen.
Bei den Züchtern gibt es nämlich auch genug schwarze Schafe.
Grundsätzlich rate ich dazu, ein Tier aus dem Tierheim zu nehmen oder auf einen Tierschutzverein
zurückzugreifen. Es werden nämlich auch unzählige Ratten aus den verschiedensten Gründen
abgegeben. Meistens ist auch jede Altersklasse der Tiere vertreten. In einem guten Tierheim
oder bei einer guten Tierschutzorganisation werden nur gesunde Ratten abgegeben und keine, die krank oder trächtig sind.
Auch werden viele Ratten privat abgegeben. Hierbei sollten man aber darauf achten, dass die Tiere
nach Geschlechtern getrennt sind, damit man kein trächtiges Tier bekommt und man sollte sich die
Tiere genau angucken, damit das Risiko, dass das Tier krank ist, so gering wie möglich ist.
Welches Alter? Welches Geschlecht?
Am besten holt man sich direkt zwei gleichgeschlechtliche Ratten, die sich schon kennen, dann fällt die manchmal
anstrengende Zusammenführung schon einmal weg. Ältere Tiere haben den Vorteil, dass sie schon
zahmer sind, da sie den Menschen bereits schon länger kennen. Jungtiere sind auch noch etwas
zappeliger und können nur ganz kurz ruhig irgendwo sitzen bleiben. Wenn sich Kinder mit um die
Ratten kümmern sollen, wären ältere Tiere grundsätzlich besser geeignet. Auf jeden Fall sollte
ein Jungtier nicht jünger als 5 Wochen sein. Die Kleinen brauchen nicht nur die Milch sondern
auch den Kontakt zur Mutter und zu den Geschwistern. Zu früh abgesetzte Ratten bleiben kleiner
und kränkeln schneller.
Die Haltung von zwei gleichgeschlechtlichen Tieren klappt in der Regel sehr gut, egal ob
Männchen oder Weibchen. Man sollte aber am besten keine gleich dominanten Tiere zusammenhalten,
weil dies andauernde Rangordnungskämpfe zur Folge hätte.
Grundsätzlich ist von einem Pärchen strikt abzuraten, es sein denn das
Männchen ist kastriert. Ansonsten wäre es mehr als verantwortungslos
ein Pärchen bewusst zusammenzuhalten.
Es gibt genug heimatlose Ratten, die ein liebevolles Zuhause suchen, da
braucht man nicht noch zusätzlich für Rattennachwuchs zu sorgen.
Natürlich sollte man bei der Auswahl der Tiere auch die individuellen Charaktere berücksichtigen,
um schon mal im vorhinein das Risiko einer Antipathie der Ratten so gering wie möglich zu halten.
Ob man eine Männchen- oder eine Weibchengruppe halten möchte ist im Prinzip eine Geschmacksache. Weibchen gelten als nagebegeisterter, flinker (aufgrund ihres geringeren Gewichts) und unternehmungslustiger, Männchen sollen dagegen mehr auf den Menschen bezogen sein, aber da Ratten große Individualisten sind, ist ihr Verhalten allgemein von Tier zu Tier sehr unterschiedlich. Wenn man sich nicht entscheiden kann, welches Geschlecht man nehmen soll, dann würde ich dazu raten, eine Männer-WG aufzumachen, da allgemein mehr Weibchen gehalten werden und viele Männchen, ohne dass sie etwas dafür können, lange auf ein Zuhause warten müssen.
Geschlechtsbestimmung
Der Abstand zwischen Geschlechtsöffnung und Anus ist bei den Männchen wesentlich größer als bei den Weibchen. Außerdem kann man bereits ab der 4. Lebenswoche die Hoden bei den Männchen erkennen. Bei ausgewachsenen Ratten sieht man meistens den Unterschied zwischen Männchen und Weibchen auf den ersten Blick, da die Männchen zumeist um einiges größer und schwerer werden als die Weibchen. Die Männchen sind auch häufig ruhiger und ausgeglichener als die Weibchen.
Augen auf beim Erwerb der Tiere
Gesunde Ratten
- haben glattes, sauberes und anliegendes Fell, keine verkrusteten oder kahlen Stellen.
- sind aufmerksam und neugierig, nicht desinteressiert, apathisch oder laufen hektisch im Käfig rum.
- haben leuchten klare Augen, keine verklebten oder entzündeten oder mit Krusten an den Augenrändern.
- haben saubere Ohren, keine verkrusteten.
- haben einen sauberen After, keinen verschmierten oder verklebten.
- haben eine saubere Nase, keinen Nasenausfluss und niesen nicht.
- haben keine Wunden oder Schorf.
- haben keine Entzündungen an den Pfoten.
- haben keine zu langen Zähne oder Krallen.
- haben einen unversehrten Schwanz.
- kratzen sich nicht andauern. (Häufiges Kratzen deutet auf Parasiten hin!)
Am besten sollte man früh morgens oder am späteren Nachmittag sich die
Tiere anschauen, da zu diesen Tageszeiten die Ratten am aktivsten ist
und man erkennt dann am besten, ob eine Ratte neugierig und
aufmerksam oder an allem total desinteressiert ist.
Grundsätzlich sollte man auch keine Ratten kaufen, wenn im gleichen
Käfig kranke Tiere sitzen. Hier ist die Gefahr groß, dass alle Tiere
im Käfig angesteckt worden sind. Man sollte sich bewusst machen, dass
vor allem gesunde und artgerecht gehaltene Jungtiere eine gute Chance
auf ein langes Rattenleben haben, daher sollte man auch keinen Kauf
überstürzen und sich lieber etwas mehr Zeit lassen.
Eingewöhnung
Bevor die Ratte ins neue Heim einzieht, sollte der Käfig am richtigen Standort stehen und alles beinhalten, was eine Ratte braucht, zudem sollte natürlich ausreichend Rattenfutter und auch eine Transportbox vorhanden sein. Während der Heimfahrt sollten die Ratten unbedingt im Transportkäfig bleiben und nicht herausgenommen werden. Nach dem Transport stellt man den geöffneten Transporter in den Rattenkäfig und lässt die Ratten von alleine in den Käfig gehen. Danach sollte man dem neuen Hausgenossen erst einmal einige Stunden Ruhe gönnen, da der Umzug ins neue Heim, der fremde Käfig und die fremde Umgebung mit ihren fremden Gerüchen für die Ratten viel Stress bedeutet und jeder weiterer Stress würde die Ratten noch ängstlicher machen. Man sollte geduldig sein und die neuen Mitbewohner zu nichts drängen. Auch wenn es anfangs (verständlich) schwer fällt, sollte man warten bis die Ratten auf einem selber zu gehen. In den ersten Tagen ist es normal, wenn sie noch sehr zögerlich sind und auf dem Boden gepresst ihre neue Umgebung erkunden. Man sollte erst warten, bis sich die Ratten in ihrem neuen Heim wohl und sicher fühlen, bevor man anfängt sie streicheln zu wollen. Bei schon ältern und zahmeren Tieren wird dies nicht lange dauern, da sie bereits Vertrauen zum Menschen haben. Bei jungen Tieren oder bei Ratten, die schon fiel Schlechtes in ihrem Leben erlebt haben, wird es länger dauern oder das Tier wird in seinem ganzen Leben nicht richtig zahm werden. Wenn man unbedingt Wert auf ein zahmes Tier legt, sollte man schon beim Kauf darauf achten. Nicht, dass dieses Tier nach ein paar Monaten wegen Missgefallens wieder abgeben wird. Grundsätzlich hat jedes Tier ein Recht auf ein schönes und ausfüllendes Leben, auch wenn es nicht das zahmste Tier ist. Man sollte darauf Rücksicht nehmen und das Tier so lieben, wie es ist.
Zähmung
Wichtig ist vor allen Dingen, dass man Zeit und Geduld aufbringt.
Ohne diese zwei Punkte ist jeder Versuch, eine Ratte an den Menschen zu
gewöhnen, zum Scheitern verurteilt. Des weiteren sollte man mit
Streicheleinheiten und auch zu anfangs mit Futterbelohnungen nicht
geizen.
Als erstes sollte man versuchen, die Ratten an die Stimme des
Menschen zu gewöhnen. Man sollte also in dem Zimmer, wo der
Rattenkäfig steht, viel und oft mit beruhigender Stimme sprechen. Bevor
man die Käfigtüre öffnet sollte man die Ratten mit Zungenschnalzen
o.ä. Lockengeräuschen auf sich aufmerksam machen.
Nach ein paar
Tagen kann man seine Hand vorsichtig in den Käfig halten. Die Ratten
werden erst einmal vorsichtig daran schnuppern und dann eventuell
versuchen auf der Hand rumzuklettern. Man sollte die Hand auf keinen
Fall jetzt wegziehen, das würde das anfängliche Vertrauen zerstören.
Man kann aber nun versuchen mit der anderen Hand die Ratten zu
streicheln. Nach einigen Tagen solcher Vorübungen kann man die Ratten
auf der Hand aus dem Käfig nehmen. Anfangs sollte man sie noch nicht zu
lange außerhalb des Käfigs lassen, das würde sie überfordern. Ganz
allmählich sollte man von Tag zu Tag die Zeit verlängern. Wenn die
Tiere ängstlich außerhalb des Käfigs sind, dann kann man sie auch
unter den Pullover stecken, das gibt ihnen Sicherheit und Geborgenheit.
Der richtige Umgang
Eine zahme Ratte kann man vorsichtig mit einer Hand über den Schultern und unter dem Brustkorb
hochheben. Um diese Art des Tragens für die Ratte nicht zu unangenehm werden zu lassen, sollte
man sie mit der zweiten Hand unter dem Hinterleib unterstützen.
Auf keinen Fall sollte ein Laie eine Ratte am Schwanz festhalten. Dieser Griff ist für Ratten
unangenehm und für schwere Tiere sogar schmerzhaft und gefährlich für die Gesundheit. Erfahrene
Rattenbesitzer fassen NICHT zahme Tiere vorsichtig an der Schwanzwurzel an und unterstützen mit
der anderen Hand die Ratte beim Hochheben. Niemals sollte man eine Ratte am Schwanzende hochheben. Der Schwanz kann
brechen oder reißen!
Wenn jemand sich mit seiner Ratte beschäftigen will, sollte er abwarten, bis seine Ratte
freiwillig auf seine Hand kommt. Auf keinen Fall sollte man seine Ratte aus dem Schlaf reißen
oder sie während des Fressens stören.
Außerdem sollte man seine Hände immer waschen, bevor man sich mit den Ratten beschäftigt. Dies
hat zwei Gründe: 1. sinkt die Krankheitsgefahr für die Ratte und zweitens kommt eine Ratte nicht
in Verlegenheit die Hand mit etwas Fressbarem zu verwechseln. Von Anfang an sollte man seiner
Ratte klar machen, dass ihr Beißen weh tut, z.B. durch Anpusten.
Falls es einer noch nicht zahmen Ratte gelingt, ungewollten Auslauf im
Zimmer zu bekommen. Versucht man sie am besten ohne Hektik mit einem
Leckerbissen in eine Röhre o.ä. zu locken und dann setzt man sie
wieder sanft in den Käfig.